GMDSS

Das Global Maritime Distress and Safety System
(weltweites Seenot- und Sicherheitsfunksystem), kurz GMDSS,
ist eine Zusammenfassung von technischen Einrichtungen,
Dienststellen und Regeln zur weltweiten Hilfe bei Seenotfällen
und zur Sicherung der Schifffahrt. GMDSS wurde im Rahmen von
SOLAS, dem internationalen Abkommen über die Sicherheit des
Lebens auf See, eingerichtet (siehe auch International Maritime
Organisation (IMO)).GMDSS besteht aus folgenden
Bestandteilen, wobei die Ausrüstung auf den Schiffen vom
befahrenen Seegebiet (Sea Area A1 bis A4) abhängt:

  • Seefunk- und Küstenfunkstellen,
    die mittels Sprechfunk und


    DSC

    einen Notruf aussenden und empfangen können.
  • Search and Rescue Radar
    Transponder (SART), die ein charakteristisches Signal
    aussenden, wenn sie ein Radarstrahl trifft, um so eine
    Zielfahrt zu ermöglichen.
Search and Rescue Radar Transponder, kurz
SART, ist ein Gerät, das beim Auftreffen
eines Radarstrahls einen Radarstrahl
zurückschickt und so auf dem Radarschirm ein
starkes und gerichtetes Echo erzeugt. Solche
Transponder werden auf Schiffen und Flugzeugen
eingesetzt, damit diese bei Seenotfällen oder
Flugunfällen von den Rettungskräften schneller
gefunden werden können. Der SART reagiert
allerdings nur auf X-Band Radarstrahlen, welche
auf 9 GHz gesendet werden. Bei suchenden
Schiffen sollte das Radargerät auf eine
Reichweite von 6 – 12 Seemeilen eingestellt
sein. Wenn ein SART noch über 5 Seemeilen von
der eigenen Radarantenne entfernt ist, sieht man
auf dem Bildschirm sechs bis 12 Punkte oder
Striche, die in die eigene Richtung zeigen. Bei
einer Entfernung von einer bis fünf Seemeilen
werden die Punkte zu einem Kegel mit Spitze zur
eigenen Anlage. Bei einer Entfernung von unter
einer Seemeile ist das SART – Echo als Halb-
oder Vollkreise zu erkennen. In den
Überlebenspaketen von Freifallbooten und
Rettungsinseln von Schiffen die mit SART
ausgerüstet sind, befinden sich
Verlängerungsstangen die auf dem Dach des
Überlebensfahrzeugs angeschraubt werden können.
Der SART wird dann auf die Verlängerungsstange
geschraubt, um einen größeren Empfangsradius zu
erhalten.RACON ist eine ähnliche Technik und
wird auf Seezeichen eingesetzt, damit diese bei
schlechter Sicht auffälliger werden und im
Radarbild deutlicher erscheinen.

  • EPIRB (Emergency Position
    Indicating Radio Beacon), die an Satelliten ein Notsignal
    liefern, teilweise auch mit Positionsdaten. Zulässig auch im
    terrestrischen Bereich über DSC, derzeit in Europa aber kaum
    in Gebrauch.
Eine Notfunkbake (emergency position
indicating radio beacon
, EPIRB) ist ein
kleiner Funksender, mit dessen Hilfe Satelliten
oder Search-and-Rescue-Einsatzkräfte
rettungsbedürftige Schiffe, Personen oder
Flugzeuge orten können. In der Luftfahrt ist
auch die Abkürzung ELT (emergency locator
transmitter) verbreitet, während Geräte für die
Benutzung an Land, z. B. für Wanderer, meist mit
PLB (personal locator beacon) bezeichnet
werden. EPIRB ist die übliche Bezeichnung
in der Schifffahrt, dient aber auch als
Oberbegriff für Notfunkbaken unabhängig von
ihrem Einsatzgebiet, da die Alarmierung bei
allen nach denselben Prinzipien funktioniert.
  • COSPAS/SARSAT polumlaufende und
    geostationäre Satelliten zum Empfang von Notmeldungen und
    zur Ortung von EPIRBs
COSPAS-SARSAT ist ein internationales,
satellitengestütztes Such- und Rettungssystem
zur Erfassung und Lokalisierung von
Notfunkgeräten (ELT’s) und Notfunkbaken (EPIRBS),
die auf Schiffen, in Luftfahrzeugen und/oder von
Einzelpersonen aktiviert werden. Es basiert auf
der Technik des Argos-Systems.Das
“International COSPAS-SARSAT Programme
Agreement”
wurde am 1. Juli 1988 in Paris
von der damaligen Sowjetunion, den USA, Kanada
und Frankreich gegründet. Mittlerweile sind dem
Programm viele weitere Länder beigetreten, und
von 1982 bis 2006 wurden durch das COSPAS –
SARSAT – System insgesamt 22031 Personen in 6197
SAR-Einsätzen gerettet. Die russische Abkürzung
COSPAS steht für Cosmicheskaya
Sistyema Poiska Avariynich Sudow

(Weltraumsystem für die Suche nach Schiffen in
Seenot); die englische Abkürzung SARSAT
bedeutet Search and Rescue Satellite-Aided
Tracking
(Satellitenortungssystem für den
Such- und Rettungsdienst).

  • Inmarsat geostationäre
    Satelliten zur Kommunikation
Die Organisation Inmarsat (Abkürzung für
International Maritime Satellite)
wurde 1979 von der Internationalen
Seeschifffahrts-Organisation (IMO) der Vereinten
Nationen gegründet mit der Aufgabe, die
Sicherheit auf See in den Bereichen zu erhöhen,
die nicht durch HF- und MF-Funk abgedeckt
wurden. Ein weiterer Vorteil war die
Möglichkeit, Nachrichtenverbindungen für die
Hochseeschifffahrt über diese geostationären
Satelliten herzustellen. Zunächst mietete
Inmarsat Satelliten an. Seit 1983 betreibt sie
eigene, die sie über mehr als 20 Bodenstationen
steuert. Im April 1999 wurde Inmarsat
privatisiert und unter Aufsicht der
International Mobile Satellite Organization (IMSO)

gestellt.Das Inmarsat-Satelliten-System
ist ein aus zwölf Satelliten (davon elf in
Betrieb) auf einer stationären Umlaufbahn
bestehendes Satellitenkommunikationsnetz. Das
System deckt fast den gesamten Globus ab, mit
Ausnahme der Gebiete ober- bzw. unterhalb von
70°N/S. Drei Satelliten sind permanent von
Europa aus erreichbar. Neben kommerziellen
Diensten bot Inmarsat auch ein mittlerweile
eingestelltes Notrufsystem an. Seit 1996 sind
die Satelliten mit Transpondern ausgestattet, um
die satellitengestützte Positionsbestimmung (GPS
oder Galileo) zu verbessern (EGNOS).

Um eine Verbindung mit einem der Satelliten
aufzubauen, muss er mit einer speziellen

Parabolantenne
angepeilt werden, in manchen
Fällen reicht auch eine einfache Antenne. Ein
entsprechendes Gerät ist in einem Gehäuse in der
Größe eines Laptops untergebracht. Es ermöglicht
nicht nur Telefonieren, sondern alle anderen
Arten der Datenübertragung wie E-Mail, Video,
etc.

  • Bodenstationen und
    Schiffsstationen für die Satellitensysteme
  • Maritime Rescue Coordination
    Centers (MRCC) Einsatzzentralen zur Koordinierung der
    Hilfeleistung, in Deutschland wahrgenommen durch die DGzRS
    in Bremen
Maritime Rescue Coordination Center (MRCC)
sind Leitstellen zur Koordination der
Seenotrettung. Sie arbeiten weltweit in einem
internationalen Verbund und werden von den
Küstenstaaten betrieben. Diese Stellen
koordinieren im Seenotfall die zur Verfügung
stehenden Kräfte (SAR, Marine, Küstenwache,
etc.).Alarmiert werden sie über:

  • EPIRB-Seenotbake (Satellit)
  • GMDSS-Inmarsat-Datenfunk (Satellit)
  • Inmarsat, Iridium, Thuraya
    (Satelliten-Telefon)
  • GMDSS-UKW-Radio
  • GMDSS-GW/KW-Radio
  • UKW Kanal 16
  • Kurzwelle 2.182 kHz
  • im Küstenbereich auch über Handy oder
    Festnetztelefon

Maritime Rescue Coordination Center sind ein
wichtiger Bestandteil des GMDSS, einem
technischen System zur weltweiten Hilfe bei
Seenotfällen und zur Sicherung der Schifffahrt
im Rahmen von SOLAS.

Die internationale Dachorganisation für
Seenotrettung ist die IMO (International
Maritime Organisation) der UNO.

Die deutsche Station wird von der DGzRS
betrieben. Sitz des deutschen MRCCs ist in der
Werderstrasse 2, 28199 Bremen.
Die DGzRS hat von dem Bundesministerium für
Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) den
Staatlichen Auftrag erhalten, die Such- und
Rettungsaktivitäten im deutschen Seegebiet,
sowie bei Beteiligung deutscher Schiffe und
Reedereien zu koordinieren. Die Grundlage ist
festgesetzt in:

  • Internationales Übereinkommen von 1979
    über den Such- und Rettungsdienst auf See
  • Int. Übereinkommen von 1974/79 zum
    Schutz des menschlichen Lebens auf See
  • IAMSAR-Manual Volume I-III
  • Übereinkommen Nr. 164 der International
    Labour Organization (ILO) über den
    Gesundheitsschutz und die medizinische
    Betreuung von Seeleuten
  • Genfer Konvention von 1949
  • Brüsseler Übereinkommen von 1910
  • NAVTEX (Abk. für Navigational
    Text Messages), ein Funkfernschreibsystem, mit dem
    Notmeldungen, Warnungen und sonstige nautische Informationen
    für einzelne Seebereiche verbreitet werden.
NAVTEX („NAVigational TEXt Messages“ – früher auch als „NAVigational
Warnings by TEleX“ bezeichnet) dient in der Seefahrt weltweit
zum Verbreiten von Sicherheits- und Wetterinformationen
(Maritime Safety Information) und ist ein Teildienst des
weltweiten Global Maritime Distress Safety Systems (GMDSS). Die
Nachrichten werden mit dem fehlerkorrigierenden
Funkfernschreibverfahren SITOR-B auf der Frequenz 518 kHz in
englischer Sprache, und in einigen Ländern auch auf den
Frequenzen 490 kHz sowie 4209,5 kHz in Landessprache verbreitet.
Japanische Sender übertragen Navtex-Meldungen in japanischer
Sprache auch auf der Frequenz 424 kHz.

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