Grundlagen und Begriffe der Wetterkunde

Wetter, Witterung und Klima

Das Wetter charakterisiert den Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort
und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Kennzeichnend sind die meteorologischen
Elemente Strahlung, Luftdruck, Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind, sowie
die daraus ableitbaren Elemente Bewölkung, Niederschlag, Sichtweite etc. .Das
Wetter ist das augenblickliche Bild eines Vorganges (Wettergeschehen), das sich
hauptsächlich in der Troposphäre abspielt. Es kann sich – im Gegensatz zur
Wetterlage und Witterung – mehrmals täglich ändern.

  • Wetterlage: Zustand der
    Atmosphäre in einem größeren Gebiet und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die
    Wetterlage ändert sich von Tag zu Tag mehr oder weniger stark.
  • Witterung: Der allgemeine,
    durchschnittliche oder auch vorherrschende Charakter des Wetters an einem
    Ort über einen Zeitraum mehrerer Tage oder Wochen betrachtet. Besonders in
    Betracht gezogen werden dabei die fühlbaren Wetterelemente wie Niederschlag,
    Temperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit.
  • Klima: Der für eine Region
    (bzw. eine größere Klimazone) typische jährliche Ablauf der Witterung, zum
    Beispiel mildes, raues oder winterfeuchtes Klima. Detailliert beschreiben
    das Monatskurven von Temperatur und Niederschlägen, die sich aus
    Wetterstatistiken vieler Jahre bis Jahrzehnte ergeben. Wichtigste
    Klimaparameter sind unter anderem die Solarkonstante, Strahlungsbilanz,
    fühlbare und latente Wärmeströme, Wärmeflüsse der Ozeane, allgemeine
    Zirkulation der Atmosphäre, sowie große Vulkanausbrüche.
  • Klimaänderung: eine
    langfristige, tiefgreifende Veränderung in größeren Gebieten oder
    Klimazonen. So wird sich die globale Erwärmung in Sibirien und in der
    Sahelzone stark auswirken (Auftauen von Permafrost-Böden, die zunehmende
    Trockenheit), in Mitteleuropa hingegen kaum.
  • Ein Wetterumschwung ist eine –
    verhältnismäßig rasche und plötzliche – Änderung der Wetterlage in einem
    bestimmten Gebiet und zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Das Wetter ist ein kurzzeitiges Zusammenwirken von Temperatur, Niederschlag,
Bewölkung, Wind und Luftdruck.

Temperatur

Die Temperatur ist eine physikalische Größe, die vor allem in der
Thermodynamik eine wichtige Rolle spielt. Ihre SI-Einheit ist das Kelvin (K). In
Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die per Definition gleich große
Einheit Celsius (°C) ebenfalls zulässig.

Unter bestimmten Bedingungen, die in vielen Teilchensystemen zumindest
näherungsweise erfüllt sind, beschreibt die Temperatur des Systems die mittlere
Energie pro möglicher Bewegungsform (Freiheitsgrad) der Teilchen des Systems.
Mögliche Bewegungsformen sind beispielsweise Bewegungen entlang der drei
Raumachsen (Translation), Drehbewegungen (Rotation) oder Schwingungen von
Teilchen gegeneinander (Vibration). Die Temperatur ist eine makroskopische,
phänomenologische Größe: einzelnen Teilchen wie beispielsweise einem einzelnen
Elektron kann nicht sinnvoll eine Temperatur zugeordnet werden.

Die Temperatur ist in der Natur und Technik von großer Bedeutung. Fast alle
physikalischen und chemischen Eigenschaften von Stoffen sind zumindest schwach
temperaturabhängig, beispielsweise der elektrische Widerstand oder die Dichte,
was man sich für Temperaturmessungen zunutze macht. Manchmal macht ein kleiner
Temperaturunterschied viel aus, bei Änderungen des Aggregatzustands und anderen
Phasenübergängen, siehe kritischer Exponent. Die Temperatur beeinflusst
Stoffwechselprozesse von Lebewesen maßgeblich. Im Rahmen der Forschung zur
globalen Erwärmung wird der Einfluss einer erhöhten Konzentration von
Treibhausgasen auf die Temperatur der Erdatmosphäre detailliert untersucht.

Das Temperaturempfinden des Menschen beruht nicht nur auf der Temperatur,
sondern auch auf dem Wärmestrom und der körperlichen Aktivität. Die gefühlte
Temperatur unterscheidet sich teilweise erheblich von der tatsächlichen
Temperatur.

Grad Fahrenheit ist eine nach Daniel Gabriel Fahrenheit benannte
Einheit der Temperatur. Fahrenheit entwickelte seine Temperaturskala nach einem
Besuch bei dem dänischen Astronomen Ole Rømer in Kopenhagen. Rømer entwickelte
das erste Thermometer, bei dem er für die Kalibrierung zwei Fixpunkte
verwendete. In der Rømer-Skala liegt der Gefrierpunkt des Wassers bei 7,5 Grad,
der Siedepunkt bei 60 Grad und die durchschnittliche Körpertemperatur eines
Menschen bei 22,5 Grad.

Luftdruck

Der Luftdruck an einem beliebigen Ort der Erdatmosphäre ist der
hydrostatische Druck der Luft, der an diesem Ort herrscht.

Dieser Druck entsteht durch die Gewichtskraft der Luftsäule, die auf der
Erdoberfläche oder einem auf ihr befindlichen Körper steht (Druck und
Gewichtskraft stimmen nicht überein, man kann aber die eine Größe aus der
anderen berechnen). Der mittlere Luftdruck der Atmosphäre beträgt auf Meereshöhe
101325 Pa = 1013,25 hPa  (Hektopascal) = 1,01325 bar = 1013,25 mbar (Millibar)
und ist somit ein Teil der Normalbedingungen.

 

Auf meteorologischen Wetterkarten kennzeichnen
Isobaren die Orte, an denen der gleiche Luftdruck herrscht. Der
Luftdruck wird mir einem Barometer oder einem Barographen gemessen.

Der Abstand der Isobaren gibt einen Hinweis auf
die Stärke des horizontalen Druckgefälles in einem Gebiet. Bei nah
aneinander liegenden Isobaren ist somit mit starken Winden oder
Sturm zu rechnen.

 

Luftfeuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit, oder kurz Luftfeuchte, bezeichnet den
Anteil des Wasserdampfs am Gasgemisch der Erdatmosphäre oder in Räumen.
Flüssiges Wasser (zum Beispiel Regentropfen, Nebeltröpfchen) oder Eis (z. B.
Schneekristalle) werden der Luftfeuchte folglich nicht zugerechnet. Die
Luftfeuchte ist eine wichtige Kenngröße für zahlreiche technische und
meteorologische Vorgänge sowie für Gesundheit und Behaglichkeit.

Das geläufigste Maß für die Luftfeuchte ist die relative Luftfeuchte,
angegeben in %. Sie bezeichnet das Verhältnis des momentanen Wasserdampfgehalts
in der Atmosphäre zum maximal möglichen Wasserdampfgehalt bei derselben
Temperatur. In der atmosphärischen Luft befinden sich immer mehr oder weniger
große Mengen an Wasserdampf. Der Gehalt schwankt zeitlich und örtlich und wird
als Luftfeuchte bezeichnet. Bei jeder Temperatur kann in einem bestimmten
Luftvolumen nur eine Höchstmenge Wasserdampf enthalten sein.

Ein wasserdampffreies Luftgemisch bezeichnet man als trockene Luft. Tabellen
zur Zusammensetzung der Luft beziehen sich in der Regel auf trockene Luft, da
der Wasserdampfanteil feuchter Luft mit 0 bis 4 Volumenprozent vergleichsweise
sehr stark schwankt. Beeinflusst wird die Luftfeuchte vor allem durch die
Verfügbarkeit von Wasser, die Temperatur und den Grad der Durchmischung der
Atmosphäre. Höhere Lufttemperaturen ermöglichen eine höhere
Wasserdampfkonzentration in der Luft. Bei sehr geringen Konzentrationen von
Wasserdampf in der Luft bezeichnet man die Luftfeuchte auch als Spurenfeuchte.

An einer freien Wasseroberfläche, die flüssiges Wasser vom darüber liegenden
Luftvolumen trennt, treten stets einzelne Wassermoleküle vom Wasservolumen in
das Luftvolumen über. Im flüssigen Wasser sind die Wassermoleküle durch
molekulare Kräfte, vor allem durch die Wasserstoffbrückenbindungen,
vergleichsweise stark aneinander gebunden, wodurch sich der zusammenhängende
Flüssigkeitsverbund erst ausbilden kann. Infolge ihrer thermischen Bewegung
tragen die Wassermoleküle jedoch jeweils gewisse Beträge an kinetischer Energie,
die um einen temperaturabhängigen Mittelwert herum streuen. Ein kleiner Anteil
von Wassermolekülen hat daher stets genügend thermische Energie, um die
Bindungskräfte der umgebenden Moleküle zu überwinden, die Wasseroberfläche zu
verlassen und in das Luftvolumen überzugehen, also zu verdunsten. Die
Verdunstungsrate hängt vom Anteil derjenigen Moleküle ab, deren kinetische
Energie die Bindungsenergie des Flüssigkeitsverbundes überschreitet und wird
daher unter anderem von der herrschenden Temperatur bestimmt.

Umgekehrt treffen verdunstete Wassermoleküle aus der Luft auch wieder auf die
Wasseroberfläche und können dort je nach ihrer kinetischen Energie mit einer
gewissen Wahrscheinlichkeit vom Molekülverbund eingefangen werden, also
kondensieren. Die Kondensationsrate ist sowohl abhängig von der Dichte der
Wassermoleküle in der Luft als auch vom Luftdruck selbst.

Vier Größen beeinflussen die Menge dieses Stoffaustauschs:

  1. die Größe der Oberfläche (Verwirbelungen
    erhöhen diesen Wert im Vergleich zum ruhenden Wasser),
  2. die Temperatur des Wassers,
  3. die Temperatur der Luft und
  4. der Sättigungsgrad der Luft.

Betrachtet man einen Verdunstungsvorgang bei konstanter Temperatur und
anfangs trockener Luft, so stellt sich die der Temperatur entsprechende
Verdunstungsrate ein, während die Kondensationsrate mangels Wassermolekülen in
der Luft zunächst gleich Null ist. Die Verdunstungsrate ist also größer als die
Kondensationsrate, und die Anzahl von Wassermolekülen in der Luft steigt daher
an. Damit wächst auch die Kondensationsrate, und die Nettoverdunstung
(Verdunstungsrate minus Kondensationsrate) beginnt zu sinken. Die Dichte der
Wassermoleküle in der Luft und damit die Kondensationsrate steigen so lange an,
bis Kondensationsrate und Verdunstungsrate gleich sind, pro Zeiteinheit also
ebenso viele Wassermoleküle vom Wasser in die Luft übertreten wie von der Luft
ins Wasser. Dann ist der Gleichgewichtszustand erreicht, in dem die
Nettoverdunstung null ist, obwohl ein ständiger Teilchenaustausch zwischen Luft
und Wasser stattfindet.

Die im Gleichgewichtszustand vorliegende Konzentration von Wassermolekülen in
der Luft ist die Sättigungskonzentration. Steigt die Temperatur, wird sich auch
eine höhere Sättigungskonzentration einstellen, da die nun ebenfalls erhöhte
Verdunstungsrate zur Erreichung eines neuen Gleichgewichts durch eine höhere
Kondensationsrate wieder kompensiert werden muss, was eine höhere Teilchendichte
in der Luft voraussetzt. Die Höhe der Sättigungskonzentration hängt also von der
Temperatur ab.

Die Sättigungskonzentration wird fast allein durch die Eigenschaften der
Wassermoleküle und ihre Wechselwirkung mit der Wasseroberfläche bestimmt, es
besteht keine wesentliche Wechselwirkung mit den anderen Atmosphärengasen. Wären
jene Gase nicht vorhanden, so würde sich über dem Wasser praktisch dieselbe
Sättigungskonzentration einstellen. Die umgangssprachlich gebräuchliche und
wegen der Einfachheit auch in Fachkreisen weit verbreitete Ausdrucksweise,
die Luft
könne bei gegebener Temperatur maximal eine bestimmte Menge an
Wasserdampf aufnehmen, ist irreführend. Die Luft nimmt die Feuchtigkeit
nicht analog zu einem Schwamm auf, und auch der Begriff der Sättigung darf hier
nicht analog zur Sättigung einer Lösung verstanden werden. Die Luft besteht aus
selbstständig agierenden Gasteilchen, die im Wesentlichen nur über Stöße
wechselwirken. Weder ist also Sauerstoff im Stickstoff, noch Wasserdampf in den
anderen Luftbestandteilen gelöst. (Man stelle sich einen zur Hälfte mit Wasser
gefüllten abgeschlossenen Behälter vor, in dem über der Wasseroberfläche ein
Vakuum herrscht. Wird der Flüssigkeit kinetische Energie in Form von Wärme
zugeführt, so können sich Teilchen mit genügend Energie von der Oberfläche lösen
(Verdunsten).) Die Sättigungskonzentration ist somit von der kinetischen Energie
der Wasserteilchen abhängig.

Aus demselben Grund wird die Sättigungskonzentration nicht von der Temperatur
der Luft bestimmt, sondern von der Temperatur der verdunstenden Oberfläche. Der
Bezug auf die Temperatur der Luft ist in der Alltagspraxis oft gerechtfertigt,
da verdunstende Flächen geringer thermischer Trägheit meist näherungsweise
Lufttemperatur annehmen (zum Beispiel an der Luft trocknende Wäsche). Ist jedoch
die verdunstende Oberfläche deutlich wärmer als die Luft, so verdunsten die
Wassermoleküle mit einer der Oberflächentemperatur entsprechenden
Verdunstungsrate in die kühlere Luft hinein (Herdplatte), auch wenn deren
Sättigungskonzentration dabei überschritten wird. Ein Teil der Feuchte
kondensiert dann in der Luft an den kühleren Aerosolen, welche Lufttemperatur
angenommen haben, und wird als Dampf- oder Nebelschwaden sichtbar (zum Beispiel
Dunstschwaden über einem herbstlichen See). Ist die Oberfläche kühler als die
Luft, so kann unter Umständen auch der Feuchtegehalt teilgesättigter Luft zu
Übersättigung und Kondensation an der Oberfläche führen (zum Beispiel
beschlagene Fenster in Küche oder Bad).

Erhöht man durch eine Zufuhr von Wassermolekülen deren Konzentration über die
Sättigungskonzentration (Übersättigung), so steigt wegen der größeren Dichte an
Wassermolekülen in der Luft die Kondensationsrate vorübergehend über die
Verdunstungsrate hinaus an und die Konzentration an Wassermolekülen sinkt daher
wieder auf den Gleichgewichtswert.

Auch hier ist zu beachten, dass es sich nicht etwa um ein Unvermögen der
Luft
handelt, den überschüssigen Wasserdampf zu halten. Vielmehr
nützt der Wasserdampf unter diesen Bedingungen eine sich darbietende
Kondensationsfläche, um seine Konzentration durch heterogene Kondensation auf
die Sättigungskonzentration zu senken. Fehlen solche Kondensationsflächen oder
Kondensationskerne, so kann die Luft dauerhaft erhebliche Mengen von Wasserdampf
aufnehmen, bis es schließlich zu einer spontanen Entstehung von Wassertröpfchen
(homogene Kondensation) kommt. Dies ist zum Beispiel in großen Volumina
möglichst reiner Luft, also bei einer geringen Aerosolkonzentration, und bei
großer Entfernung von etwaigen Umschließungsflächen der Fall (siehe
Nebelkammer). Spontane Kondensation von Wasserdampf zu Wassertröpfchen findet
ohne Kondensationskeime erst bei extremer Übersättigung von mehreren hundert
Prozent relativer Feuchte statt. In der Praxis ist jedoch fast immer eine
ausreichend große Menge von Aerosolen in der Luft vorhanden, so dass es in der
Atmosphäre kaum zu Übersättigungen von mehreren Prozentpunkten kommt.

Die Verdunstungsrate des Wassers kann bestimmte Maximalwerte nicht
überschreiten. Es dauert daher längere Zeit, bis sich das Gleichgewicht nach
einer Störung wieder eingestellt hat. Wurde zum Beispiel durch nächtliche
Abkühlung ein Teil des Feuchtegehalts auskondensiert, so ist die Luft nach einer
Erwärmung zunächst ungesättigt und kann den Sättigungszustand nur langsam wieder
erreichen. Diese Teilsättigung ist für unsere Atmosphäre wegen der häufigen
Temperaturschwankungen der Normalfall. Es ist für zahlreiche Vorgänge von großer
Bedeutung, wie weit die Luft vom Sättigungszustand entfernt ist. Verschiedene
Feuchtemaße dienen dazu, diesen Zustand quantitativ zu beschreiben.

Absolute Luftfeuchtigkeit

Die absolute Luftfeuchtigkeit, auch Wasserdampfdichte oder kurz
Dampfdichte, ist die Masse des Wasserdampfs in einem bestimmten
Luftvolumen, also dessen Dichte beziehungsweise Konzentration. Sie wird
üblicherweise in Gramm Wasser pro Kubikmeter Luft angegeben. Nach oben begrenzt
wird sie durch die maximale Feuchte ρw, max, die
während einer Sättigung herrscht (zugehörige Formeln und Werte siehe dort).

Die absolute Luftfeuchtigkeit ist ein direktes Maß für die in einem gegebenen
Luftvolumen enthaltene Wasserdampfmenge. Sie lässt unmittelbar erkennen, wie
viel Kondensat maximal ausfallen kann oder wie viel Wasser verdunstet werden
muss, um eine gewünschte Luftfeuchtigkeit zu erhalten.

Die absolute Luftfeuchtigkeit ändert sich bei einer Volumenänderung des
betrachteten Luftpakets, auch ohne dass der Luft Wasserdampf hinzugefügt oder
entzogen wird. Bei einer Kompression des Luftpakets werden die darin enthaltenen
Wassermoleküle auf einen geringeren Raum konzentriert, ihre Anzahl pro
Kubikmeter nimmt zu, die absolute Feuchte steigt; das Umgekehrte gilt bei einer
Expansion des Luftpakets. Die Volumenänderung des Luftpakets kann durch Änderung
seiner Temperatur oder seines Druckes verursacht werden. Beim Vergleich der
Feuchtegehalte zweier Luftpakete sind daher gegebenenfalls ihre Temperatur- und
Druckunterschiede zu berücksichtigen. Ein in der Atmosphäre aufgrund der Thermik
aufsteigendes Luftpaket verringert beim Aufsteigen seine absolute Feuchte, auch
wenn es dabei keinerlei Wasserdampf verliert, da es wegen der Abnahme des
Luftdrucks mit der Höhe sein Volumen vergrößert. Die absolute Feuchte des
Luftpakets ändert sich daher allein durch Auf- und Abwärtsbewegungen. Man
bezeichnet dies auch als Verschiebungsvarianz oder Instationarität. Da die
absolute Luftfeuchte zudem schwer zu messen ist, wird sie nur selten verwendet.

Absolute Luftfeuchtigkeit

Die relative Luftfeuchtigkeit ist das prozentuale Verhältnis zwischen
dem momentanen Wasserdampfdruck und dem Sättigungswasserdampfdruck über einer
reinen und ebenen Wasseroberfläche. Bei einer nichtprozentualen Angabe, also im
Wertebereich 0 bis 1, spricht man auch vom Sättigungsverhältnis.

Die relative Feuchte lässt unmittelbar erkennen, in welchem Grade die Luft
mit Wasserdampf gesättigt ist:

  • Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von
    50 % enthält die Luft nur die Hälfte der Wasserdampfmenge, die bei der
    entsprechenden Temperatur maximal enthalten sein könnte.
  • Bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit ist die
    Luft vollständig mit Wasserdampf gesättigt.
  • Wird die Sättigung von 100 % überschritten,
    so schlägt sich die überschüssige Feuchtigkeit als Kondenswasser bzw. Nebel
    nieder.

Anhand der relativen Feuchte lässt sich daher leicht abschätzen, wie rasch
Verdunstungsvorgänge ablaufen werden oder wie groß die Wahrscheinlichkeit von
Tauwasserbildung ist. Da die Verdunstung von Feuchtigkeit durch die Haut stark
von der relativen Feuchte der Umgebungsluft bestimmt wird, stellt die relative
Feuchte eine wichtige Kenngröße für das Behaglichkeitsempfinden dar.

Wind

Als Wind wird in der Meteorologie eine gerichtete stärkere
Luftbewegung in der Atmosphäre bezeichnet. Es ist ein physikalischer Vorgang.
Winde mit Windstärken (nach Beaufort-Skala, s.unten) zwischen 2 und 5 haben die
Bezeichnung Brise. Winde mit Windstärken zwischen 6 und 8 bezeichnet man als
Wind mit den Abstufungen starker, steifer und stürmischer
Wind.
Bei Windstärken ab 9 spricht man von einem Sturm. Winde mit der Windstärke 12
bezeichnet man als Orkan. Eine heftige Luftbewegung von kurzer Dauer bezeichnet
man als Bö. Auf der Erde beträgt die maximale theoretische Windgeschwindigkeit
ca. 1230 km/h (Schallgeschwindigkeit) – diese wird auch im stärksten Tornado
nicht erreicht. Die bisher höchsten gemessenen Geschwindigkeiten um 500-650 km/h
traten bisher nur bei Jetstreams auf.

Hauptursache für Winde sind Unterschiede im Luftdruck zwischen Luftmassen.
Dabei fließen Luftteilchen aus dem Gebiet mit einem höheren Luftdruck
(Hochdruckgebiet) solange in das Gebiet mit dem niedrigeren Luftdruck
(Tiefdruckgebiet), bis der Luftdruck ausgeglichen ist. Es handelt sich bei einem
Wind daher um einen Massenstrom, welcher nach dem zweiten Hauptsatz der
Thermodynamik eine Gleichverteilung der Teilchen im Raum und damit eine maximale
Entropie anstrebt. Die zugehörige Kraft bezeichnet man als Druckgradientkraft.
Je größer der Unterschied zwischen den Luftdrücken ist, umso heftiger strömen
die Luftmassen in das Gebiet mit dem niedrigeren Luftdruck und umso stärker ist
der aus der Luftbewegung resultierende Wind.

Die Windrichtung, meist in Form einer Hauptwindrichtung angegeben, wird durch
die Lage von Tiefdruckgebiet und Hochdruckgebiet bestimmt. Dabei wird sie aber
durch die Corioliskraft in Bewegungsrichtung nach rechts (Nordhalbkugel) bzw.
nach links (Südhalbkugel) abgelenkt. Unterhalb der freien Atmosphäre wird der
Wind zusätzlich durch Reibung beeinflusst und kann auch durch morphologische
Strukturen wie Berge, Täler und Canyons stark variieren (Beispiel: Föhn bzw.
Fallwind, Aufwind, Talwind, Bergwind). Bei rotierenden Systemen wie
Wirbelstürmen spielt zusätzlich die Zentrifugalkraft eine entscheidende Rolle.
Man unterscheidet grundsätzlich die meridionale und die zonale Komponente eines
Windes.

Beaufort-Skala

 

Windstärke
in Bft
Bezeichnung der
Windstärke
Bezeichnung des
Seeganges (Windsee)
Beschreibung
Aussehen auf See Wirkung auf dem Meer
0 Windstille völlig ruhige, glatte See spiegelglatte See
1 leiser Zug ruhige, gekräuselte See

leichte Kräuselwellen
2 leichte Brise schwach
bewegte See

kleine, kurze Wellen, Oberfläche glasig
3 schwache Brise

Anfänge der Schaumbildung
4 mäßige Brise leicht bewegte See

kleine, länger werdende Wellen, überall
Schaumköpfe
5 frische Brise mäßig bewegte See

mäßige Wellen von großer Länge, überall
Schaumköpfe
6 starker Wind grobe See

größere Wellen mit brechenden Köpfen,
überall weiße Schaumflecken
7 steifer Wind sehr grobe See

weißer Schaum von den brechenden
Wellenköpfen legt sich in Schaumstreifen in
die Windrichtung
8 stürmischer Wind hohe See

ziemlich hohe Wellenberge, deren Köpfe
verweht werden, überall Schaumstreifen
9 Sturm

hohe Wellen mit verwehter Gischt,
Brecher beginnen sich zu bilden
10 schwerer Sturm sehr hohe See

sehr hohe Wellen, weiße Flecken auf dem
Wasser, lange, überbrechende Kämme, schwere
Brecher
11 orkanartiger Sturm außergewöhnlich schwere See

brüllende See, Wasser wird waagerecht
weggeweht, starke Sichtverminderung
12 Orkan

See vollkommen weiß, Luft mit Schaum und
Gischt gefüllt, keine Sicht mehr

 

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