Terrestrische Kompasskontrolle

Die Kompassablenkung eines Schiffes kann sich ändern. Häufigster
Punkt ist hier die bauliche Änderung, aber auch längere Standlagen
(z.B. Winterlager) kann eine Ausrichtung und somit Veränderung des
magnetischen Feldes des Schiffes bewirken. Wenn der Verdacht
besteht, dass die Werte der Ablenkungstabelle nicht mehr stimmig
sind, ist eine Kompassüberprüfung erforderlich.

Die Unterwegsmethode ist recht einfach: Wenn bei sicherem Standort weit
voraus eine eindeutige Landmarke erkennbar ist, richtet man die Yacht genau
darauf aus, ließt den Magnetkompasskurs (MgK) ab und entnimmt der Karte den
rechtweisenden Kurs vom Standort zur Landmarke voraus. Das Peilobjekt sollte
nicht weniger als 6 sm, aber auch nicht mehr als 12 sm entfernt sein. Mit dem
Kursumwandlungsschema vom mwK nach oben und vom MgK nach unten lässt sich die
tatsächliche Kompassablenkung (Abl) des anliegenden Kurses berechnen:

H
MgK (Kompass)
=
Abl

G
mwK

G
Mw

G
rwK (Karte)

Befindet sich eine Richtfeuerlinie auf dem Weg, kann man
mit deren Hilfe eine ebenso schnelle Kompasskontrolle durchführen. Man steuert
genau auf der Richtfeuerlinie und liest den MgK ab. Die Richtung der
Richtfeuerlinie in der Karte ist der rwK. Die Abl ermittelt man mit dem oben
gezeigten Kursumwandlungsschema.


Ablenkungstabelle / Deviationstabelle

In eine
Deviationstabelle
oder auch Ablenkungstabelle werden
für die Navigation von Schiffen Abweichungen des
Magnetkompasses eingetragen, die z. B. durch Metallteile
oder Elektro-Leitungen an Bord verursacht werden.

Die Tabelle
wird erstellt, indem das Fahrzeug an einer Stelle mit
einer bekannten Peilung in Schritten von 30 Grad um 360
Grad gedreht wird und die Abweichung des Kompasses, die
Deviation, bei jeder dieser Positionen vermerkt wird.
Dabei muss die Missweisung, d. h. die Abweichung des
(zeitlich veränderlichen) magnetischen Nordpols zum
geographischen Nordpol herausgerechnet werden. Hierzu
sind in vielen Häfen so genannte Deviationsdalben
eingerichtet, von denen aus Peilungen zu festen
Landmarken in Seekarten vermerkt werden.

Die so
entstehende Deviationstabelle wird genutzt, um aus einem
vom Kompass abgelesenen Kurs den missweisenden Kurs zu
berechnen. Dieser wird danach um die Missweisung
berichtigt, wodurch man den rechtweisenden Kurs erhält.
Die Summe aus Ablenkung und Missweisung wird
Magnetkompassfehlweisung genannt (MgFw).

Die
Deviationstabelle zeigt also ausschließlich die
Abweichung des Kompasses, die durch fahrzeugspezifische
Beeinflussung entstehen. Die metallene Rumpfkonstruktion
und elektromagnetische Felder sind dabei die häufigsten
Ursachen für die Abweichungen. Allerdings können auch
schlechte Kompasse schon erhebliche Abweichungen
verursachen. Schiffskompasse können mittels kleiner, im
Gehäuse angebrachter Stabmagnete kompensiert werden.

Um genau
steuern bzw. navigieren zu können, ist es wichtig, die
(kursabhängige) Deviationstabelle möglichst fein zu
unterteilen. Man unterscheidet:

  • Die
    Ablenkungstafel: Sie wird angewandt, um den
    Kompasskurs (MgK) auf den missweisenden Kurs (mwK)
    zu berichtigen.

  • Die
    Steuertafel: Sie dient dazu, aus dem missweisenden
    Kurs den zu steuernden Magnetkompasskurs zu
    erzeugen. Diese Rechenschritte sind Teil der
    Kursumwandlung.

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