Koppelnavigation

Koppelnavigation oder Koppelung (koppeln,
verbinden
) ist die laufende Ortsbestimmung (Ortung) eines
bewegten Objekts durch Messen der Bewegungsrichtung (Kurs), der
Geschwindigkeit (Fahrt) und der Zeit. Zwischen den
Zeitintervallen wird die Geschwindigkeit als konstant
angenommen. Bei beschleunigten Systemen ist die Messhäufigkeit
entsprechend zu erhöhen.Die Messungen der
Schiffsgeschwindigkeit erfolgen mit dem Log. Da sie die
Geschwindigkeit nur relativ zum umgebenden Medium Wasser
bestimmen, muss zusätzlich die Strömungsgeschwindigkeit über
Grund
bekannt sein. Der Kurs wird mit dem Kompass gemessen.
Ausgehend von einem bekannten Startpunkt ergibt sich durch
Aneinanderhängen der ermittelten Wegstücke die zurückgelegte
Route. Die tägliche Strecke nennt der Seemann Etmal.

Unter günstigen Bedingungen liegt der Messfehler beim Koppeln
unter 5 % der Wegstrecke. Um Messfehler und Effekte wie Wind-
oder Strömungsversatz zu korrigieren kann versucht werden etwa
mit Hilfe astronomischer Navigation oder in neuerer Zeit durch
Funknavigationsmittel einen erneuten bekannten Ausgangspunkt für
die weitere Koppelung zu bestimmen.

Der Koppelort (Ok) stimmt nur, wenn die
Koppeldaten stimmen, das heißt, wenn der Magnetkompasskurs (MgK)
auch wirklich im Mittel gesteuert wurde, wenn die Beschickung
Wind (BW) richtig eingeschätzt wurde, der Strom tatsächlich so
setzte, wie angenommen und auch die Meilenanzeige des Logs
zuverlässig war.

Da dieses alles nicht sicher ist, unterscheidet man Koppelort
(Ok), denen man eine gewisse Toleranz
zubilligt, von beobachteten Orten (Ob),
die direkt vermessen werden und deshalb genauer sind. Koppelorte
werden in Karten durch einen zur Kurslinie senkrechten Strich
oder durch ein Kreuz markiert, im Gegensatz zu einem Kreis mit
Kreuz, der einen Ob kennzeichnet.

Als Ob werden heute auch ermittelte Standorte aus
astronomischer Beobachtung oder elektronischer Ortung
bezeichnet. Orte werden in der Karte und auch im Logbuch
grundsätzlich mit Zeit und Logstand bezeichnet. Da ein Schiff in
Bewegung ist, wäre ein Ort ohne diese Bezugswerte sinnlos.

Der Koppelkurs ist immer ein Kurs über Grund (KüG). Wenn kein
Strom setzt, ist der Kurs durch Wasser (KdW) gleichzeitig KüG,
wenn auch keine Windversetzung besteht, ist der rechtweisende
Kurs (rwk), also die Rechtvorausrichtung gleichzeitig der KüG.

Definitionen zur
Koppelnavigation:

Kartenkurs (KaK):     … ist der
Winkel zwischen rechtweisend Nord und der der Navigationskarte
entnehmbaren beabsichtigten Richtung des weges über Grund.

Koppelkurs über Grund (KüGk):
… ist der Winkel zwischen rechtweisend Nord und der
beabsichtigten Richtung des Weges über Grund.

beobachteter Kurs über Grund (KüGb):
… ist der Winkel zwischen rechtweisend Nord und der
ermittelten Richtung des Weges über Grund.

Koppelpraxis

Beim Absetzen der Route wird der Kartenkurs vom bekannten
Schiffsort ausgehend vorausgezeichnet und dabei besonders auf
Wassertiefen und Hindernisse geachtet. Der Kartenkurs ist der
KüGk. Er wird in den MgK
(Magnetkompasskurs) umgewandelt und dem Rudergänger als
Steuerkurs mitgeteilt. Die Zeit bis zum nächsten Zwischenziel
wird mit der Fahrt über Grund (FüG) errechnet, die bei der der
Kursumwandlung anfiel.

Anschließend dient der Kursstrich in der Karte als
Koppelkurs, denn er ist bereits der KüG zum nun gefahrenen
Steuerkompasskurs. Dem Koppelkurs auf der Karte gilt der erste
Blick, wenn man wissen möchte, wo sich die Yacht befindet. Wie
weit sie schon ist liest man, sofern kein Strom setzt, einfach
vom Log ab. Die Meilenanzeige überträgt man mit dem Zirkel vom
vertikalen Kartenrand auf den Koppelkurs. Befindet man sich in
einem Gewässer mit Strom, kann man die Loganzeige nicht
benutzen. Nun entstammt der Wert für die FüG dem Rechengang der
Kursumwandlung (Strömungsberechnung durch Vektorenberechnung).

In angemessenen Zeitabständen muss man seine aktuelle
Position ermitteln, also einen Ob machen.
Man benutz dazu terrestrische Methoden. Vom neuen Ob
wird nun weiter gekoppelt. Der alte Koppelkurs wird abgebrochen
und ein enuer von diesem Ob ausgehend
gezeichnet. Der Sprung vom Ok zum Ob
als Vektor mit rechtweisender Richtung  und Länge in
Seemeilen gezeichnet (hell blauer Pfeil in der Skizze oben),
nennt man Besteckversetzung (BV). Sie dient der Ermittlung von
Strom und /oder Windversatz, von Fahrfehlern oder
Steuertendenzen.

Besteckversetzung (BV):  … ist der Vektor vom
Koppelort zum beobachteten Ort, Richtung bezogen auf rwN.

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