Kursumwandlungen

Definitionen nach DIN 13312 Navigation

rechtweisender Kurs (rwK) ist der Winkel zwischen rechtweisend
Nord und der Rechtvorausrichtung des Schiffes

missweisender Kurs (mwK) ist der Winkel zwischen missweisend
Nord und der Rechtvorausrichtung des Schiffes

Magnetkompasskurs (MgK) ist der Winkel zwischen
Magnetkompassnord und der Rechtvorausrichtung des Schiffes

Magnetkompassablenkung (Abl) ist der Winkel zwischen
missweisend Nord (mwN) und Magnetkompass-Nord (MgN), ausgehend von missweisend
Nord nach Osten mit der Benennung E (Vorzeichen +), nach Westen mit der
Bezeichnung W (Vorzeichen -)

Missweisung (Mw) ist der Winkel zwischen rechtweisend Nord (rwN)
und Magnetkompass-Nord (MgN), ausgehend von missweisend Nord nach Osten mit der
Benennung E (Vorzeichen +), nach Westen mit der Bezeichnung W (Vorzeichen -)

Fehlweisung (Fw) ist der Winkel zwischen rechtweisend Nord (rwN)
und Magnetkompass-Nord (MgN), ausgehend von missweisend Nord nach Osten mit der
Benennung E (Vorzeichen +), nach Westen mit der Bezeichnung W (Vorzeichen -). Es
ist die Summe aus  Ablenkung (Abl) und Missweisung (Mw).

Beschickung Wind (BW) ist der Winkel zwischen der
Rechtvorausrichtung des Fahrzeuges und der tatsächlichen oder beabsichtigten
Bewegungsrichtung des Fahrzeuges durchs Wasser

Kurs durchs Wasser (KdW) ist der Winkel zwischen rechtweisend
Nord (rwN) und der Richtung des Weges durchs Wasser

Beschickung für Strom (BS) ist der Winkel zwischen der
Bewegungsrichtung des Fahrzeuges durchs Wasser und der tatsächlichen oder
beabsichtigten Bewegungsrichtung des Fahrzeuges über Grund

Fahrt durch Wasser (FdW) ist der Betrag der unter
Berücksichtigung des Windes, des Seegangs und des Schiffsantriebs ermittelten
Geschwindigkeit des Schiffs relativ zum Wasser

Kurs über Grund (KüG) ist der Winkel zwischen rechtweisend Nord
(rwN) und der Richtung des Weges über Grund

Fahrt über Grund (FüG) ist der  im voraus bestimmte oder
nach einer bestimmten Fahrzeit ermittelte Betrag der Geschwindigkeit des
Schiffes bezüglich des Meeresgrundes

Schematische Übersicht

Das Rechenschema nach DIN 13312 Navigation

Die praktische Anwendung

Beispielssachverhalt vom MgK zum KüG:

Eine Segelyacht befindet sich am 08. April 2005, um 09:00 Uhr
UTC auf der Position

N 49° 42,0′   W 002° 35,0′

Am Magnetkompass anliegende Kurs beträgt 300°. Errechne die FüG
(Fahrt über Grund). Bei südwestlichen Winden wird BW 4° vorgehalten. Das Log
zeigt eine Geschwindigkeit von 7 kn FdW.

Schritt 1: Erstellen des Rechenschemas

MgK 300° Aus dem Sachverhalt
Abl

————————-
—– ————–
mwK
Mw

————————
—– ————–
rwK
BW

————————-
—— ————–
KdW
BS

————————-
—— ————–
KüG

Schritt 2: Ablenkung

Die Magnetkompass-Ablenkung
entsteht durch das magnetische Feld, das auf dem Schiff in der Umgebung
des Kompasses von fest installierten Metallteilen, Elektronik und vor
allem Lautsprechern mit starken Permanentmagneten verursacht wird.
Dieses Feld verstärkt das Erdmagnetfeld. Da sich das Erdmagnetfeld im
Bezug auf das schiffseigene Magnetfeld je nach Kurs fluchten (addieren)
so werden sie sich auf Gegenkurs subtrahieren. Um diese Unterschiede zu
berücksichtigen muss die Ablenkungstabelle in 10°-Schritten aufgestellt
werden.

Die Ablenkung muss aus der Steuertafel des
Begleitheftes entnommen werden.

Maßgeblich relevant ist entweder der zu Grunde
liegende Magnetkompasskurs (MgK) oder vom KaK zum MgK geht,
der missweisende Kurs (mwK).

Die Tabelle ist jeweils in 10°-Schritten aufgeteilt.
Dazwischen liegende Kurse müssen dementsprechend
nächstgelegen genommen werden.

In der Praxis kann der Magnetkompass auf
Yachten durch Kleinmagneten am Kompass kompensiert, bzw. justiert
werden.

Nun können wir in unserem Rechenschema
weiterarbeiten:

MgK
300°
Aus dem
Sachverhalt
Abl

10°
aus der
Steuertafel
————————-
—–

————–
mwK
290°

Zwischenergebnis
Mw
————————
—–

————–
rwK
BW
————————-
——

————–
KdW
BS
————————-
——

————–
KüG

Schritt 3: Missweisung

  Missweisung, auch
Deklination oder Ortsmissweisung, ist die Abweichung
zwischen geographischer und magnetischer Nordrichtung,
die insbesondere bei der Navigation mit dem Kompass von
Bedeutung ist.

Während
der geographische Nordpol durch die Rotationsachse der
Erde definiert ist, ist der magnetische Nordpol der
Punkt auf der Nordhalbkugel der Erde, aus dem die
Magnetfeldlinien des Erdmagnetfelds senkrecht austreten.
Dieser Punkt liegt zur Zeit etwa 1800 km vom
geographischen Nordpol entfernt in Nordkanada und ändert
seine Lage jährlich um mehrere Kilometer.

Die Deklination ist definiert
als der Winkel zwischen der Richtung auf den
geographischen Nordpol und der Richtung der magnetischen
Feldlinien am Beobachtungsort. Die Deklination kann nahe
den magnetischen Polen 180° betragen, der Kompass zeigt
an diesen Punkten z. B. nach Süden, statt nach Norden.

Die Missweisung, bzw. deren
Werte werden aus der Kompassrose der Seekarte entnommen,
die dem Schiffsort am nächsten liegt.

Da der magnetische Nordpol
ständig in Bewegung ist (siehe Animation der letzten 500 Jahre
nebenstehend), muss die Mw für jedes Jahr neu berechnet werden. Dazu
sind Korrekturwerte in der Kompassrose angegeben.

In unserer Karte ergibt sich ein Wert von 4° 00′ W
für das Jahr 2000. Die Jährliche Veränderung sind 9′ E (Klammervermerk).
Für 2005 ergibt das eine östliche Korrektur von 45′. Somit entspricht
die Missweiung für 3° 15′ W. Wir rechnen gerundet mit einem Mw = -3°

MgK 300° Aus dem Sachverhalt
Abl 10° aus der Steuertafel

————————-
—– ————–
mwK 290° Zwischenergebnis
Mw aus der Kompassrose der Kate

————————
—– ————–
rwK 287° Zwischenergebnis
BW

————————-
—— ————–
KdW
BS

————————-
—— ————–
KüG

Schritt 4: Beschickung Wind

Insbesondere Segelschiffe unterliegen einer Windversetzung, die
je nach Schiffstyp, der Besegelung und der Fahrt zum Wind unterschiedlich sind.
Werte können sich nur aus Erfahrungswerten ergeben.

Bei Wind von Backbord wird mit positivem Vorzeichen gerechnet,
weil das Schiff zum größeren Kurswert driftet, während bei Wind von Steuerbord
mit negativem Vorzeigen gerechnet wird.

MgK 300° Aus dem
Sachverhalt
Abl 10° aus der
Steuertafel

————————-
—–
————–
mwK 290°
Zwischenergebnis
Mw aus der
Kompassrose der Kate

————————
—–
————–
rwK 287°
Zwischenergebnis
BW + Wind von
Backbord

————————-
——
————–
KdW 291°
Zwischenergebnis
BS

————————-
——
————–
KüG

Schritt 5: Stromversatz mit Vektorenberechnung

Der Stromversatz wird durch Vektorenberechnung ermittelt. Dazu
sind die Werte folgender nicht zu trennender Vektoren erforderlich:

1. Vektor:  Fahrt durch Wasser (FdW) / Kurs durch Wasser (KdW)

2. Vektor: Fahrt über Grund (FüG) / Kurs über Grund (KüG)

3. Vektor: Strömungsgeschwindigkeit (St) / Stormrichtung (StR)

Zunächst müssen wir die bereits bekannten Werte einsetzen und
die fehlenden Werte in Der Seekarte oder im Begleitheft ermitteln, bevor das
Stromdreieck erstellt und die BS ermittelt werden kann.

1. Vektor

FdW

7 kn

Information aus dem Sachverhalt

KdW

291°

entnommen aus dem Rechenschema

2. Vektor

FüG

?

KüG

?

3. Vektor

St

1,5 kn

Seekarte am Strömungspunkt H

StR

033°

Seekarte am Strömungspunkt H

Strömungspunkt H

Durch Positionsbestimmung in der Seekarte stelle ich fest,
welche Strömungsraute meiner Position am nächsten liegt.

In der Kartenlegende befindet sich die Strömungstabelle zum
Bezugspunkt Dover.

Zunächst ist das Alter der Gezeit zu bestimmen. Hier ist der
08.04.2005 der Tag des Neumonds. Somit befinden wir uns in der Springzeit.

Aus den Gezeitentafeln ergibt sich ebenfalls, dass das Nächste
Hochwasser Dover um 11:00 Uhr UTC eintritt. In unserem Sachverhalt befinden wir
uns somit 2 Stunden vor Hochwasser zur Springzeit.

Aus der Karte entnehmen wir die oben gekennzeichneten Werte
St = 1,5 kn und StR = 033°

Das Strömungsdreieck (1)

Beginnend vom hilfsmäßig
aufgezeichneten Meridian wird der Kurs durch Wasser (KdW) von 291°
eingezeichnet. Der 2. Wert des Vektors ist die Fahrt durch Wasser. Diese
beträgt bekanntlich 7 kn.

Das Strömungsdreieck ist im
Maßstab 1 sm = 1 cm zu zeichnen.

Somit ergibt sich ein
geschlossener Vektor von 7 cm länge.

Die Kurswinkel werden mit Hilfe
des Kursdreiecks eingebracht.

Am Ende des 7 cm langen Vektors
1 werden die Werte StR = 033° und St = 1,5 kn ebenfalls maßstabsgerecht
angebracht.

Jetzt kann das Strömungsdreieck
geschlossen werden.

Durch Verbinden des Startpunktes
am Meridian und des Endpunktes am Vektor 3 entsteht der dessen Werte uns
noch fehlen.

Durch messen des Winkels der (roten Linie) des
Vektors 2 und der Länge im Maßstab erhalten wir die fehlenden Werte

KüG = 303°    FüG = 6.8 kn

Wir können jetzt das Rechenschema
vervollständigen.

 

MgK 300° Aus dem Sachverhalt
Abl 10° aus der Steuertafel

————————-
—– ————–
mwK 290° Zwischenergebnis
Mw aus der Kompassrose der Kate

————————
—– ————–
rwK 287° Zwischenergebnis
BW + Wind von Backbord

————————-
—— ————–
KdW 291° Zwischenergebnis
BS + 12° Differenz zwischen KdW und KüG

————————-
—— ————–
KüG 303° Ermittelt durch
Strömungsdreieck

Vom KüG zum MgK

Neuer Sachverhalt:

Eine Segelyacht steht am 15. Juli 2005, um 18:45 Uhr UTC auf der
Position

N 49° 42,0′   W 002° 35,0′

Von dort wird der KüG von 040° abgesetzt. Die Segelyacht läuft
eine Geschwindigkeit von 7 kn FdW. Der Wind kommt aus Südost, man hält 5° vor
/BW 5°/.

Schritt 1:

Zunächst schauen wir auf unser Rechenschema. Wir beginnen
diesmal vom KüG, rechnen somit von unten nach oben.

MgK
Abl

————————-
—– ————–
mwK
Mw

————————
—– ————–
rwK
BW

————————-
—— ————–
KdW
BS

————————-
—— ————–
KüG 040° Kurs über Grund aus dem
Sachverhalt

Zur Ermittlung der BS müssen wir wiederum ein Strömungsdreieck
zeichnen.

Das Strömungsdreieck (2)

Wie im Strömungsdreieck 1
beginnen wir mit einem Hilfsmeridian. Von Dort setzen wir den bekannten
KüG als 1. Vektor ab. Da uns diesmal der 2. Wert des Vektor, die Fahrt
über Grund (FüG) fehlt, entsteht ein offener Vektor, dessen Länge wir zu
diesem Zeitpunkt noch nicht bestimmen können.

Die nächsten Werte die wir
benötigen, StR und St, nehmen wir aus der Seekarte. Das Alter der Gezeit
ist am 15. Juli 2005 unter Berücksichtigung der 2 Tage Springverspätung
Nippzeit.

In der Gezeitentabelle des
Bezugsortes Dover ermitteln wir das Hochwasser für 16:48 UTC. Somit
befinden wir uns 2 h nach Hochwasser.

Die Strömungsraute H sagt hier
folgende Werte voraus:

StR = 238°

St = 1,3 kn

Der 2. Vektor besteht aus den
ermittelten Werten StR und St. Sie werden, da wie oben festestellt durch
den nicht geschlossenen Vektor 1 kein Endpunkt vorhanden ist, an dem man
den Vektor 2 anlegen könnte, direkt am Startpunkt des Vektor 1 am
Meridian angebracht.

Im nächsten Schritt wird die
Länge von 7 cm (FdW = 7 kn) mit Hilfe eines Zirkels beginnend vom
Endpunkt des Vektor 2 am Vektor 1 abgeschlagen.

Der dort entstandene Punkt wird mit dem Endpunk
des Vektor 3 verbunden (rote Linie)

Nun haben wir den Vektor 3 und können den KdW
am Meridian abmessen.

Durch Messen der Entfernung des Vektors A
zwischen dem Meridian und des Zirkelschlags erlangen wir die FüG. Mit
den nun erhaltenen Werten können wir im Rechenschema weiterarbeiten.

MgK 042°
Abl + 9° (-) Steuertafel (interpoliert)

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—– ————–
mwK 051° Zwischenergebnis
Mw 3° (+) Missweisung weiterhin – 3°

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—– ————–
rwK 048° Zwischenergebnis
BW 5° (+) Wind kommt von Steuerbord (-)
siehe Bild unten

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—— ————–
KdW 043° Ermittelt durch Stromdreieck
BS 3° (+) Different Zwischen KüG und KdW
mit umgekehrtem Vorzeichen

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—— ————–
KüG 040° Kurs über Grund aus dem
Sachverhalt

Beschickung Wind wird mit einem Wert von – 5° angegeben, da der
Wind von Steuerbord kommt (Sachverhalt).

weiter