Radarplotten

Durch Beobachtung eines Radarschirmes erhält man die momentane
Darstellung anderer Kontakte zum eigenen Schiff. Diese können über eine Peilung
und einen Abstand eindeutig bestimmt werden. Die Peilung kann sowohl als
Seitenpeilung sowohl als rechtweisende Peilung bekannt sein – je nach
Ausstattung der Radaranlage. An Bord von Yachten wird in der Regel ein
vorausorientiertes Radargerät eingesetzt, da eine Einspeisung eines
Kompasskurses meist aufgrund der technischen Möglichkeiten fehlt. Jedoch handelt
es sich bei dieser Darstellungsart nach neuester Rechtsprechung nicht um
“gehörigen Ausguck” nach 7 KVR. Es sollte möglichst die nordorientierte
Darstellungsart “North-up” gewählt werden.

Erst die Beobachtung eines Radarkontaktes über einen längeren Zeitraum erlaubt
Rückschlüsse auf seine Bewegung – absolut und relativ auf das eigene Schiff
bezogen.

Im Prinzip reduziert sich das
gesamte Plottingverfahren auf die geometrische Lösung einer
Vektorenaddition bzw. Vektorensubtraktion.
Die Relativbewegung ist die Differenz zwischen eigener absoluten
Bewegung und der absoluten Bewegung eines anderen Kontaktes.

Im Folgenden wird ein Plotverfahren beschrieben, das es erlaubt, relativ
einfach und genau die Daten der Bewegung des Gegners zu ermitteln:

  • relative Bewegung in Richtung und Geschwindigkeit
  • absolute Bewegung in Kurs und Fahrt
  • Punkt der nächsten Annäherung nach Peilung, Abstand sowie Zeitpunkt
  • Welche Ausweichmanöver werden wann eingeleitet, um einen Passierabstand
    von x sm zu erreichen

Darstellung auf dem Plott

PlottingSheet

Es wird eine nordorientierte Darstellung gewählt, das heißt, der eigene Kurs
wird als Vektor in das Plotting Sheet eingetragen – Länge des Vektors entspricht
der eigenen Fahrt.
Die Auswahl des Maßstabes muss sich dabei an den vorherrschenden
Geschwindigkeiten orientieren.

Der Eigenvektor wird mit einem
einfachen Pfeil gekennzeichnet.

Anschließend werden die Seitenpeilungen an diesen Eigenvektor mit den
entsprechenden Uhrzeiten angetragen.
Zum Beispiel:
12:00 Uhr peilt der Kontakt in 310° SP im Abstand 8 sm
12:10 Uhr peilt der Kontakt in 309° SP im Abstand 7 sm

Aus den Seitenpeilungen werden zunächst durch Addition des eigenen
Kurses die rechtweisenden Peilungen ermittelt, also 350° bzw. 349°.

Die Verbindungslinie zwischen den beiden Plots wird
verlängert, so dass sie nahe am Zentrum (also unserem eigenen relativen)
Standort vorbeiführt. Diese Relativbewegung wird mit einem eingekreisten Pfeil
gekennzeichnet.
Dort, wo das Lot dieser Linie durch das Zentrum geht, ist der CPA (Closest Point
of Approach; Punkt der nächsten Annäherung)

Nun werden
zunächst mit dem Zirkel die Distanzen zwischen den beiden Plots sowie dem ersten
Plot und dem CPA entnommen.

Für die Ermittlung der Relativgeschwindigkeit wird die logarithmische Skale
unterhalb des Plots verwendet.
Wir benutzen dazu die beiden Schenkel des Zirkels und stellen den
Zirkel-Spreizwinkel so ein, dass der rechte Schenkel auf der Zahl, die der
Zeitdifferenz entspricht (also 10, da die Zeitdifferenz 10 min beträgt).
Die Spitze des linken Schenkels wird an der Zahl platziert, die dem Abstand er
beiden Plots in Seemeilen entspricht, also 1.
Der Spreizwinkel bleibt nun unverändert und die rechte Spitze wird auf 60 (für
60 min, also 1 Stunde) gelegt, an der linken Spitze lesen wir die relative Fahrt
ab: 6 kn.
Nun wird die rechte Spitze auf der Zahl platziert, die dem Abstand des CPA vom
ersten Zeitpunkt aus entspricht, also 8,0 sm. An der linken Spitze lesen wir ab,
wie viele Minuten nach dem ersten Plotzeitpunkt der CPA erreicht wird, also 80
min später – 13:20 Uhr.

Nun werden noch rasch Peilung und Abstand des CPA abgelesen: 270° – 1,0 sm.

Zugegeben – hier sind Ungenauigkeiten aufgrund der Zeichenungenauigkeit drin.

Zur Ermittlung der Gegnerbewegung wird die Relativbewegung parallel so
verschoben, dass sie durch das Ende des Eigenvektors führt – die Länge dieses zu
konstruierenden Vektors ist gleich der Relativgeschwindigkeit – also 6 sm (wenn
für die Eigenfahrt kein kleinerer Maßstab gewählt wurde)
Die Verbindung des Zentrums zum Ende des verschobenen Relativvektors ist die
Absolutbewegung des Gegners.

Also: 108° mit 4,3 kn.

Ermittlung von Ausweichmanövern

Findet das Radarplotten bei verminderter Sicht statt (was wohl anzunehmen
ist), ist die Regel 19 der KVR zu beachten.

Das heißt:

  • Es unterbleibt die Überlegung, welches der beiden Fahrzeuge Kurshalter
    und welches ausweichpflichtig ist – beide müssen ausweichen !
  • Gegenüber einem Fahrzeug im Vorausbereich hat eine Kursänderung nach
    Backbord zu unterbleiben
  • Es darf nicht auf ein Fahrzeug zugedreht werden, dass sich achterlicher
    als querab befindet.

In diesem Fall bedeutet es: Eine Kursänderung nach Backbord hat zu
unterbleiben.

Alternativen sind eine Kursänderung nach Steuerbord oder eine Fahrtreduzierung.

Welches Manöver soll um 12:30 Uhr eingesetzt werden, wenn es gilt, einen
Nahbereich zu vermeiden?

Zur Lösung einer solchen Fragestellung wird zunächst am ursprünglichen
Relativvektor bis zum Zeitpunkt der Manövereinleitung weitergekoppelt.

Um den eigenen Standort wird ein Kreis vom gewünschten Nahbereich gezogen.
An diesen Kreis werden die Tangenten vom gekoppelten Ort aus gezogen.

Wir gehen nun davon aus, dass der Kontakt kein Manöver einleiten wird, sondern
unser Manöver alleine die kritische Situation bereinigen soll.

Wie knicken die Relativbewegungen ab ?

Schwierig scheint es festzustellen, welches Manöver welches Abknicken des
Relativvektors hervorruft.

  • Bei einer Fahrtreduzierung knicken alle Relativbewegungen vorlicher ab.
  • Bei einer Beschleunigung knicken sie so ab, dass sie achterlicher
    erscheinen

  • Bei einer Kursänderung nach Steuerbord knicken Relativbewegungen der
    Kontakte, deren Relativ-Kurs Eigenem Kurs ± 90° entspricht, nach links ab.
  • Die Relativbewegungen der Kontakte mit entgegenkommenden Relativ-Kursen
    (eigener Kurs+180° ± 90°) knicken nach rechts ab.
  • Bei einer Kursänderung nach Backbord verhält es sich genau
    entgegengesetzt.

 

Das bedeutet hier: Eine Fahrtreduzierung führt zum Abknicken nach links,
Der relative Gegnerkurs beträgt 179°, ist also entgegenkommend.
Eine Kursänderung nach Steuerbord führt also zum Abknicken nach rechts.

Fahrtänderung

Es wird wieder ein Dreieck konstruiert mit folgenden Eckwerten:
– Gegner Kurs und Fahrt bleiben konstant (das war unsere Annahme …)
– Unser Kurs bleibt konstant
– Es wird die linksabknickende Relativbewegung in den Vektor des Gegners
verschoben

Der Schnittpunkt dieser neuen Relativbewegung mit unserer Vorauslinie ergibt die
neue Fahrt.

Kursänderung nach Steuerbord

Es wird wieder ein Dreieck konstruiert mit folgenden Eckwerten:

  • Gegner Kurs und Fahrt bleiben konstant (das war unsere Annahme …)
  • Unsere Fahrt bleibt konstant (wir müssen also einen Kreis mit 6 kn
    ziehen)
  • Es wird die rechtsabknickende Relativbewegung in den Vektor des Gegners
    verschoben

Der Schnittpunkt dieser neuen Relativbewegung mit dem vorgegebenen Kreis, der
unserer Fahrt entspricht, ergibt den neuen Kurs.

 

Übungsaufgabe

Auf ihrem Radarschirm mit der Darstellung Head Up orten Sie das
Fahrzeug B:

Zeit  RaSp MgK   D

1136 046° 154° 9,0 sm

1148 048° 150° 5,0 sm

Beachten Sie: bei den Peilungen lagen unterschiedliche MgK an!

Eigene FdW 15 kn

Bestimmen Sie den Kurs der relativen Bewegung (KBr) und die
Geschwindigkeit der relativen Bewegung (vBr) von B.

Bestimmen Sie den Closest point of Approach (CPA) und ggf. die
Seite an der B das eigene Schiff passiert.

Bestimmen Sie den absoluten Kurs und die absolute
Geschwindigkeit von B.


Lösung:

Ausgegangen wird von einem Generalkurs von 152°

Dann gilt:

CPA = 0,4 sm

KBr = 022,5°

vBr = 20 kn

KB = 070,3°

vB = 15,6 kn

Anmerkung:

Wenn in HU gerechnet wird, ergeben sich die Peilungen
folgendermaßen

SP

+ MgK

– GK

SP für den Generalkurs

 

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