Regionale Wettererscheinungen

Land- und Seewind

Unter einem
Land-Seewind-System
versteht man
sowohl ein gekoppeltes Klimasystem aus Land-
und Wasseroberflächen, über welchen es zur
Ausbildung von See– und Landwinden
kommt, als auch das durch diese Winde
erzeugte Zirkulationssystem selbst. Die
Ursache für die Herausbildung des jeweiligen
Windes ist thermischer Natur und beruht auf
der zwei- bis dreimal so schnellen Erwärmung
bzw. Abkühlung der Luft über einer
Landoberfläche im Vergleich zu einer
Wasseroberfläche. Das Wasser hat eine
wesentlich größere spezifische Wärme als die
Landfläche und hält die Tageswärme länger,
während an Land die Boden- und
Lufttemperatur meist schon am Nachmittag
deutlich sinkt. Man spricht hier von
ablandigem Wind.

Seewind
nennt man den in Küstengebieten auftretenden
Wind, der tagsüber vom Meer bzw. Ozean zum
Land weht. Der Seewind ist eine thermische
Ausgleichsströmung, die durch das Aufsteigen
der über den Landflächen stärker erhitzten
Luft in Gang gesetzt wird.


Landwind
nennt man
den in Küstengebieten auftretenden Wind, der
Nachts vom Land  zum Meer bzw. Ozean
weht. Der Landwind ist eine thermische
Ausgleichsströmung, die durch das Aufsteigen
der über den noch warmen Wasserflächen
stärker erwärmten Luft in Gang gesetzt wird.

Seewind

Landwind

 

Mistral

 

Der Mistral ist der NW-Wind in der
Provence (Frankreich). Die Provenzalen
kennen 32 Winde aus allen Himmelsrichtungen
und der Mistral ist der direkt aus NW
wehende Wind. Er kann zuerst recht sanft und
durch die Landmasse noch aufgewärmt und
deshalb warm wehen. Nach einigen Stunden
oder gar Tagen kann er ein starker bis sehr
starker Wind werden, der aus nordwestlicher
Richtung über Frankreich in den
Mittelmeerraum weht. Typisch ist dann ein
wolkenloser, dunkelblauer Himmel, gute
Fernsicht, nachts ein beeindruckender
Sternenhimmel und ein erheblicher Abfall der
Temperatur. Er kann tagelang wehen und tritt
so häufig auf, dass die Bäume im Rhonetal
oft in Windrichtung nach Süden hin gebogen
sind.

Er entsteht durch in den
Mittelmeerraum einströmende Polarluft. Die
Alpen und Pyrenäen bilden eine Blockade, so
dass zwischen diesen Gebirgen die kalte
Polarluft ins Rhônetal gelangt. Durch diese
Kanalisierung (Düseneffekt) entstehen dort
hohe Windgeschwindigkeiten von 50 – 75 km/h,
in Spitzen über 135 km/h. Außerdem ist der
Mistral sehr trocken und entzieht dem Boden
Feuchtigkeit, was die Waldbrandgefahr in der
Provence erheblich erhöht.

Die typische Mistralwetterlage wird
geprägt von hohem Luftdruck über der Biscaya
und einem Tiefdruckgebiet über Italien.
Diese Lage stellt sich häufig in Verbindung
mit Kaltlufteinbrüchen aus Norden ein, deren
Hauptstoßrichtung über Großbritannien bis in
den nordwestlichen Mittelmeerraum verläuft.
Dort trifft die Kaltluft auf wärmere
Mittelmeerluft. Dies bietet günstige
Voraussetzungen für die Entstehung eines
Tiefdruckwirbels nicht weit weg von Genua.

 

Scirocco

 

Der Scirocco (auch Schirokko) ist ein heißer
Wind aus südlichen bis süd-östlichen Richtungen,
der von der Sahara in Richtung Mittelmeer weht. Er
ist ein gleichmäßiger heißer Wüstenwind, der oft im
Frühjahr, frühem Sommer und Herbst weht.

Er entsteht durch die Temperaturdifferenz zwischen
kühlen Tiefdruckgebieten in Nordafrika und der heißen
Luft über der Sahara. Je größer der
Temperaturunterschied ist, desto stärker wird der
Scirocco. Wegen seiner Entstehung über der Wüste
führt der Scirocco große Mengen Sandstaub mit sich,
wodurch die Luft eine gelblich-graue Färbung
bekommt. Die Sichtweite kann dabei auf unter einen
Kilometer sinken und der Sturm den Charakter eines
Sandsturms annehmen. 
Der Scirocco ist über
Afrika trocken, nimmt aber über dem Mittelmeer
Feuchtigkeit auf, die unter Umständen in den
europäischen Mittelmeerländern abregnet.

Der mitgeführte Sand lagert sich auch auf alpinen
Gletschern ab, was zu einer sichtbaren Braunfärbung der
Schneeoberfläche und somit zur Verringerung der Albedo
(Rückstrahlkraft) und zu einer verstärkten Ablation
führt.

 

Bora

 

Die Bora (griechisch μπόρα, „kalter Windstoß“, „kalter Regenguss“, von Boréas, wörtlich „der Nördliche“; kroatisch Bura;
slowenisch Burja) ist ein trockener, kalter und böiger
Fallwind an der kroatischen und montenegrinischen
Adriaküste. Winde vom Bora-Typ gehören mit ihrer
Häufigkeit und ihren hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten,
vor allem an der Nordwest-Küste Kroatiens
sowie Montenegros zu den stärksten der Welt.
Mitgebracht werden sie von aus dem Polargebiet
wandernden, starken Kaltluftausbrüchen, die an
der 500-hPa-Fläche als Tröge um 10° bzw. 20°E und am
Boden als nördliche oder nordöstliche Windströmungen
zum adriatischen Küstengebiet in Erscheinung
treten. Vom synoptischen Standpunkt wird die
regionale Beschränkung durch die topographischen
Bedingungen vorgegeben. Als Randerscheinung des
Hochdruckgebiets über Zentralasien ist die
makroklimatische Form des Kaltluftabflusses mit der
Gebirgsumrahmung im Adriabeckens durch die
Dinariden eng verbunden. Bora kommt, neben der
Ostküste der Adria, noch an der Schwarzmeerküste bei
Novorossik, auf Nowaja Semlja, in Skandinavien und
in der Kanto-Ebene Japans vor.

 

Etesien / Meltemi

 

Der Meltemi ist der Wind der Sommermonate
in der Ägäis. Das Wort Meltemi ist türkischen
Ursprungs (Meltem). Die Griechen nannten ihn
früher Etesien (Ἐτησίαι) – sprich Jahreszeitenwind
(gr. ἐτησίος (ἐτήσιος) = jährlich
von ἔτος (étos) = Jahr). Der Meltemi ist ein
Schönwetterwind, der aus nördlichen Richtungen
weht und im Sommer als angenehm kühlend
empfunden wird. Er entsteht durch den
Luftausgleich zwischen großen Tiefdrucksystemen,
die über Südwestasien lagern und bis nach
Kleinasien reichen und dem im Sommer bis
ins Mittelmeer vorstoßenden Rossbreitenhoch
(Azorenhoch). Die Luftmassen aus dem
Hochkeil über dem Balkan und Ungarn
strömen in das über dem Persischen
Golf liegende Monsuntief. Unterstützend
und beschleunigend auf diesen recht
zuverlässigen Wind wirkt oft ein
Hitzetief über der Zentraltürkei. Der Meltemi
bringt stets heiteres Wetter und
gute, klare Sicht mit sich.

In jedem Jahr setzen Ende Mai,
Anfang Juni leichte Nordwinde
ein, die so genannten Prodroms.
Eine Woche später kommt dann der
Sommerwind, der die Hitze der
Sonnenglut mildert. Der Wind besteht
aus kontinentaler Luft aus
Südrussland. Bei der Passage
hoher Berge trocknet die
Luft aus. Sie beschert Griechenland
den bekannt strahlend blauen Himmel.

Sein Maximum erreicht der Meltemi in den Monaten
Juli / August. Die Wahrscheinlichkeit ist von Juni bis September 70%. Üblicherweise setzt er am
Vormittag ein und weht bis zum
Sonnenuntergang. Es kann aber
auch sein, daß er tagsüber mit
6 – 8 Bft. bläst und auch die
ganze Nacht durchsteht.

Der Meltemi weht im nördlichen
und mittleren Teil der Ägäis aus
Norden und fächert dann wie eine
gigantische Bö aus. Im Osten (Dodekanes – Rhodos)
weht er aus Nordwest, um dann im
östlichen Mittelmeer auszulaufen. Nahe dem
Peloponnes ist der Meltemi etwas zahmer
und weht aus Nordost. In den großen
Buchten (Gökova-Golf, Güllük-Golf)
der türkischen Westküste dreht er auf
West. Der Meltemi bringt durchschnittlich
4 – 5 Bft., kann aber auch tagelang mit
acht und mehr Windstärken wehen.

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