Terrestrische Schiffsorte

Peilen

Beim Peilen wird der Winkel zwischen rechtweisend Nord und der
Richtung des Peilobjektes eines bekannten Ortes, z. B. ein
Leuchtturm oder eine in der Seekarte eingetragenen anderen
Landmarke, von Bord aus ermittelt.

Definitionen nach DIN 13312

Standlinie ist ein geometrischer Ort für alle
Punkte, auf denen eine für die Ortsbestimmung gemessene Größe gleich ist.

Magnetkompasspeilung (MgP) ist der Winkel
zwischen Magnetkompass-Nord und der in der Horizontalebene projizierten Richtung
zum Objekt.

Missweisende Peilung (mwP) ist der Winkel
zwischen missweisend Nord und der in der Horizontalebene projizierten Richtung
zum Objekt.

Rechtweisende Peilung (rwP) ist der Winkel
zwischen rechtweisend Nord und der in der Horizontalebene projizierten Richtung
zum Objekt.

Seitenpeilung (SP) ist der Winkel zwischen der
Rechtvorausrichtung des Fahrzeuges und der in der Horizontalebene projizierten
Richtung zum Objekt; mit Zusatz Steuerbord (Stb) oder Backbord (Bb) ist
halbkreisige Zählung (000° – 180°) zulässig.

Kreuzpeilung

Eine Kreuzpeilung (engl. crossing bearing) ergibt sich, wenn von einem
Standort aus zwei verschiedene Objekte mit bekanntem Ort anpeilt werden. Der
Kreuzungspunkt der beiden Standlinien ist der eigene Standort.

In der terrestrischen Navigation, die vor allem in der Seefahrt angewendet
wird, ist die Kreuzpeilung die gängige Methode zur Positionsbestimmung mittels
Peilung. Benötigt werden zwei markante Punkte im Gelände bekannter Position,
sowie (Peil-) Kompass, Karte, Lineal und Kursdreieck. Die ermittelten
rechtweisenden Kurse können direkt in die ebenfalls rechtweisenden Seekarten (rechtweisende
Ausrichtung der Meridiane) eingetragen werden. Um die Ortsunsicherheit bei der
Kreuzpeilung gering zu halten, sollten sich die angepeilten Objekte möglichst in
einem Winkel von 90° zueinander befinden. Die Genauigkeit der Ortsbestimmung
kann durch die Peilung von drei oder mehr Landmarken erhöht werden. Der
vermutete Ort liegt dann jeweils im Flächenschwerpunkt des durch die drei oder
mehr Standlinien aufgespannten Fehlerdreiecks beziehungsweise – Mehrecks.


Versegelungspeilung

Wird ein Objekt von zwei unterschiedlichen Standorten aus
angepeilt, lässt sich aus dem Abstand der Standorte und den
gemessenen Winkeln der Abstand zum angepeilten Objekt bestimmen.

Auch mit nur einem Geländepunkt bekannter
Position lässt sich der eigene Standort mittels
Peilung bestimmen, wenn man ihn zeitversetzt
zweimal anpeilt und dabei unter verschiedenen
Richtungen „sieht“; allerdings muss für die
Versegelungspeilung
die Fahrt über Grund und
der Kurs über Grund bekannt sein. Ggf. werden
hierzu die Fahrt über Grund aus der Fahrt durchs
Wasser und der Strömung berechnet, und der Kurs
über Grund aus dem Kurs durchs Wasser,
Strom-Versatz und Wind-Abdrift geschätzt.

Zunächst wird wieder die Richtung zum markanten
Geländepunkt „Antiker Tempel“, bestimmt. Die
Position des Bootes befindet sich auch hier
irgendwo auf der Standlinie mit dem
Richtungswinkel 354°. Das Boot fährt nun einige
Zeit mit bekanntem Kurs (95°) auf seiner gelb
eingezeichneten „Kurslinie“ mit bekannter
Geschwindigkeit weiter, im Beispiel 10 km weit.
Befand es sich zum Zeitpunkt der ersten Peilung
auf einer Standlinie mit Winkel 354°, so muss es
sich nun auf einer um 10 km in Richtung 95°
verschobenen Standlinie (im gezeichneten
Beispiel geht sie durch die „Nebelbank“)
befinden. Für die Standortbestimmung wird nun
erneut der Tempel angepeilt. Der Standort des
Bootes ist der Schnittpunkt dieser neuen
Standlinie mit Winkel 315° und der verschobenen
(‘versegelten’) Standlinie durch die Nebelbank“
(Winkel 354°).

Loten

Eine Standortbestimmung lässt sich auch mit einer
Peilung und der Lotung der Wassertiefe erreichen.
Durch die Peilung wird die erste Standlinie
definiert. Mit der in der Seekarte verzeichneten
Wassertiefe, die die zweite Standlinie ergibt und
der ersten Standlinie lässt sich der ungefähre
Standort (beobachteter Standort) ermitteln. Durch
den unregelmäßigen Verlauf der Tiefenlinien ist eine
Standlinie durch Lotung in der Regel eine
unregelmäßig gekrümmte Linie.

Wenn keine zweite
Standlinie zur Verfügung steht, kann man auch eine
Reihenlotung vornehmen, bei der man in festgelegten
Abständen lotet, die gemessenen Tiefenwerte dann auf
einen Streifen (Paus-)Papier in den abgefahrenen
Abständen überträgt und im Bereich des gekoppelten
Ortes dann – mit Orientierung des Pauspapiers in
Richtung des Kartenkurses – eine Stelle sucht, bei
der die gemessenen Tiefenwerte mit den Messwerten in
etwa übereinstimmen. Dieses Verfahren ist nur
anwendbar, wenn sich der Meeresboden hinreichend
schnell verändert, um eine merkliche Änderung der
Tiefenwerte zu ergeben.

Feuer in der Kimm

Mit diesem Verfahren stellen wir unseren Abstand zu einem
Leuchtfeuer fest, das gerade in der Kimm erscheint oder gerade
hinter der Kimm verschwindet.

Die Distanz hängt von unserer eigenen Augeshöhe ab, denn je höher wir stehen,
desto weiter können wir sehen.

Analog zu unserer Augeshöhe hängt die Distanz natürlich auch von der
Feuerhöhe ab.

Je höher sich ein Feuer über dem Wasserspiegel befindet, desto weiter ist es
sichtbar – vorausgesetzt die Tragweite des Feuers lässt dies zu. (Dies muss
separat in der Seekarte bzw. mit dem Leuchtfeuerverzeichnis überprüft werden)

Die Distanz vom Beobachter zum
Leuchtfeuer errechnet sich zu
D = 2,075 * (
Ö Ah +
Öh )

Wer keinen Rechner zur Hand hat,
kann auch eine

Tabelle benutzen.

Die Standlinie, die wir hier
erhalten, ist ein Kreis mit dem Radius D um das Leuchtfeuer.

Das heißt, alle Beobachter mit der
gleichen Augeshöhe AH sehen das Feuer auf diesem Kreis
gerade eben in der Kimm.

Wenn wir den Leuchtturm auch noch
peilen, wenn er gerade in der Kimm erscheint, erhalten wir
eine zweite Standlinie: Eine Peilung.

Der Schnittpunkt zwischen der
Peillinie und dem Abstandskreis markiert unseren Standort.

Zur Vorbereitung einer
Nachfahrt gehört beispielsweise auch, dass die Abstandskreise aller
Feuer – sowie sie in der Kimm erscheinen – bestimmt und in die Karte
eingezeichnet werden.

Das erweitert die Möglichkeit
der schnellen Standortbestimmung nachts.

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