Seenotfall

Definition:

Der Seenotfall ist eine besondere Situation, in der eine echte Gefahr für das
Schiff oder die Besatzung besteht und fremde Hilfe zur Abwendung dieser Gefahr
erforderlich ist.

Seenotfälle sind (Beispiele):

– Feuer an Bord nicht unter Kontrolle

– Wassereinbruch nicht unter Kontrolle

– Aufgelaufen in schwerer See

– Manöverunfähigkeit in Legerwallposition

SAR

Search and Rescue:

Das Rettungswesen ist international organisiert und im BSH-Handbuch für Suche
und Rettung beschrieben (14,- € im BSH eigenen Verlag)

Mit Search and Rescue (SAR) (deutsch: Suchen
und Retten
) werden international in staatlichem Auftrag
tätige Such- und Rettungsdienste für Notfälle in der Luft- und
Seefahrt bezeichnet. Die entsprechende Praxis bezüglich
Seenotfällen wurde erst 1979 im Übereinkommen über den Such-
und Rettungsdienst auf See
international geregelt. Grundlage
für die Durchführung ist das von der Internationalen
Seeschifffahrtsorganisation IMO gemeinsam herausgegebene
IAMSAR-Handbuch (International Aeronautical and Maritime Search
and Rescue Manual). Meist sind die SAR-Dienste in die
Streitkräfte, vorhandene Rettungsdienste, Polizei oder andere
Sicherheitsbehörden eingegliedert.In Deutschland ist für die
SAR-Dienste das Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung verantwortlich, das die Durchführung dieser
Aufgaben jedoch an das Bundesverteidigungsministerium bzw. an
die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger übertragen
hat. Weitere Mittel werden bei Bedarf durch andere Behörden und
Organisationen bereitgestellt, z.B. durch Polizei von Bund und
Ländern, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Wasser- und
Schifffahrtsverwaltung, Zoll, Technisches Hilfswerk und
Bergwacht. Zu unterscheiden von den SAR-Diensten ist in
Deutschland die Luftrettung, die das schnelle Transportmittel
Hubschrauber für den allgemeinen Rettungsdienst nutzt.

In Deutschland wird der Seenotrettungsdienst von
der Deutschen Gesellschaft zur Rettung
Schiffbrüchiger (DGzRS) wahrgenommen;
diese originär staatliche Aufgabe wurde dieser
Organisation im Jahre 1982 übertragen. Faktisch
nimmt sie sie allerdings bereits seit ihrer
Gründung im Jahre 1865 wahr.International
unterhalten die Küstenstaaten Leitstellen zur
Koordination der Seenotrettung, so genannte
MRCCs (Maritime Rescue Coordination Center) oder
RCCs (Rescue Coordination Centre). Diese Stellen
koordinieren im Seenotfall die zur Verfügung
stehenden Kräfte, in Deutschland sind dies unter
anderem die DGzRS, die Seeeinheiten von
Bundespolizei und Zoll, die SAR-Stellen der
Bundeswehr sowie andere Schiffe, die sich in der
Nähe des Einsatzortes befinden und ohne sich
selbst zu gefährden Hilfe leisten können.
Weiterhin können eventuell erforderliche
Einheiten ausländischer Seenotrettungsdienste
alarmiert werden, sofern dies notwendig und
möglich ist. Regelmäßig grenzüberschreitende
Einsätze finden beispielsweise im Grenzgebiet
von Deutschland und den Niederlanden statt. Die
Luftrettung über See wird in Deutschland von der
Bundeswehr mit Hubschraubern durchgeführt.

Die Leitstelle der DGzRS ist das MRCC
Bremen
.

Bremen Rescue Radio (BRR)
ist die Küstenfunkstelle der
Deutschen Gesellschaft zur
Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).Nach dem Wegfall der
Küstenfunkstellen war es im
Rahmen des GMDSS (weltweites
Seenot- und
Sicherheitsfunksystem)
erforderlich, die Seegebiete A1
und A2 im deutschen Seegebiet
abzudecken. Während der
Grenzwellenbetrieb (Seegebiet
A2) durch das dänische Lyngby
Radio gewährleistet wird,
übernimmt Bremen Rescue Radio
den Betrieb im UKW-Bereich
(Seegebiet A1) in den deutschen
Teilen der Nordsee und Ostsee.

Die offizielle Übergabe des
Seefunkdienstes erfolgte am 12.
Januar 1999. Bremen Rescue Radio
überwacht die UKW-Seenotkanäle
16 und 70 und leitet
erforderliche Notmaßnahmen, wie
die Alarmierung der
Seenotrettung ein. Bremen Rescue
Radio ist im UKW-Seefunk per
Digital Selective Calling (DSC)
über die Maritime Mobile Service
Identity (MMSI) 00 211 1240 zu
erreichen.

Zusätzlich zu den im GMDSS
vorgeschriebenen Diensten hält
Bremen Rescue Radio für
Sportfahrzeuge, die noch nicht
mit DSC ausgerüstet sind,
Hörbereitschaft auf UKW Kanal
16.

Hilfe anfordern

Hilfe ist mit den in der KVR vorgeschriebenen Notzeichen, am besten jedoch
über Funk anzufordern. Nach Kontaktaufnahme mit dem SAR-Fahrzeug sind möglichst
folgende Angaben durchzugeben:

– Name

– Position

– Art der benötigten Hilfe

– Zustand des Fahrzeuges und der Besatzung

– Kurs und Geschwindigkeit zu einem ggf. vereinbarten Treffpunkt

– Wetter im Seegebiet

– Einzelheiten die das Erkennen des Fahrzeuges erleichtern

Aussteigen in das Rettungsfloß

Ein altes englischen Sprichwort besagt:

Verlasse nie das Schiff, bevor
es dich nicht verlässt.

Denn ist die Besatzung gezwungen, das
Fahrzeug zu verlassen, drohen ihr
Unterkühlung, Ertrinken, Verdurstung,
Seekrankheit und Erschöpfung.

Nicht rauchen!

Kein Alkohol!

Alkohol vermindert die
Reaktionsfähigkeit und fördert die
Unterkühlungsgefahr, entzieht dem Körper
Wasser und erhöht den Durst.

Maßnahmen beim Verlassen des Fahrzeugs:

Warm anziehen! Über dicke Pullover, Jacke oder ähnliches
zusätzlich Ölzeug anziehen und alle Öffnungen im Ölzeug
(Hals, Arme, Hosen- und Jackenbund) dichtbinden.
Gummistiefel mit warmen Socken anbehalten! Dann das Anlegen
der Rettungsweste nicht vergessen.

Nach Möglichkeit sollte vor dem Verlassen des Fahrzeugs
noch reichlich warme süße Flüssigkeit getrunken werden, um
Flüssigkeitsreserven zu besitzen.

Wenn es die Zeit gestattet, sollten folgende Gegenstände
in das Überlebensfahrzeug gegeben werden: Decken, Getränke,
Lebensmittel, Sprechfunkgerät, Seenotmittel, Taschenlampe,
Taschenmesser, Tauwerk, Fernglas,
Erste-Hilfe-Verbandskasten, Rundfunkempfänger.

Verhalten auf einem Überlebensfahrzeug (Rettungsfloß,
Rettungsinsel)

  • In der Nähe der Untergangsstelle bleiben und nur mit
    der natürlichen Abtrift treiben
  • Seenotmittel klar zum Gebrauch halten
  • Vorhandene Trink- und Nahrungsmittelvorräte
    rationieren
  • Das Auffangen von Regenwasser ist zur Vergrößerung
    des Wasservorrates wahrzunehmen
  • Körperliche Anstrengungen auf ein Mindestmaß
    beschränken

Verhalten im Wasser

Im Wasser möglichst wenig bewegen, um die gespeicherte
Körperwärme zu halten. Dabei kann eine möglichst
zusammengerollte Körperhaltung helfen.Möglichst in Gruppen zusammenbleiben und in Tuchfühlung
umarmen. Hierdurch wird der Wärmestrom der Körperoberfläche
wesentlich verringert.

Untereinander mit einer Leine verbinden.

Atmungsöffnungen vor Spritzwasser schützen.

Hilfeleistung durch den Rettungskreuzer

Soweit man noch über ein funktionstüchtiges Funkgerät verfügt, ist mit dem
Rettungskreuzer schon während der Anfahrt Funkverbindung herzustellen. Dieses
ermöglicht dem Rettungskreuzer den Havaristen anzupeilen.

Der Vormann des Rettungskreuzers wird Lageangepasst die Einsatzleitung
übernehmen. Der Rettungskreuzer wird sich mit dem Bug von Lee an den Havaristen
annähern und Leinen überwerfen.

Wenn Verletzte oder erschöpfte Personen abzubergen sind, wird der
Rettungskreuzer sein Tochterschiff zu Wasser lassen.

Übersteigen auf ein Schiff

Frachtschiffe können bei ruhiger See mit einigem Geschick an eine sinkende
Yacht oder ein Rettungsfloß heranmanövrieren, während die letzte Distanz mit
Leinen überwunden wird. Danach wird die Yacht längsseits geholt und die
Besatzung über Bergungsnetze oder Jakobsleitern abgeborgen.

In schwerer See ist das Manövrieren für Großschiffe weitaus schwieriger. Das
Großschiff wird versuchen für die in Not geratene Yacht “Lee” zu machen und das
Fahrzeug in den Windschatten zu bringen. Sie leisten damit bereits einen
wertvollen Dienst und unterstützen damit eine weitere Rettung durch SAR-Kräfte.

Abbergen durch einen Hubschrauber

Schiffe in Seenot können durch
SAR-Luftfahrzeuge
mit speziellem Hilfsgerät versorgt werden, das abgeworfen
werden kann.Das für das Abbergen bzw. aus dem Wasser Aufheißen von
Personen am häufigsten verwendete Hilfsmittel ist die
Rettungsschlinge (gesunde Personen).

Weitere Rettungsmittel sind: Rettungsanker, Rettungsnetz,
Rettungstrage.

Beachte:

  • Rettungsschlinge nicht vom Windenseil abhaken
  • Windenseil nicht am Schiff festmachen
  • Nicht unter Deck ziehen
  • Nicht um die Hand wickeln
  • Muss stets frei von Hindernissen gehalten werden

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