Seetüchtigkeit

Yacht, Einrüstung und Ausrüstung

Seit Juni 1996 wird die Tauglichkeit neu gefertigter Yachten durch die
CE-Kennzeichnung für abgestuft anspruchsvolle Fahrtgebiete
(Auslegungskategorien) europaeinheitlich bestätigt. Zuständig für die Erteilung
dieses Qualitätsnachweises in Deutschland ist der Germanische Lloyd, die
technische Überwachungsorganisation für die gesamte Schifffahrt.

Folgende Klassifizierungen können erlangt werden und werden durch eine blaue
Plakette bescheinigt:

CE-Auslegungskategorien

Kategorie A – Hochsee:    über Bft.
8, über 4 m Wellenhöhe

Kategorie B – außerhalb von Küstengewässern:
bis Bft. 8, bis 4 m Wellenhöhe

Kategorie C – küstennahe Gewässer:  bis
Btf. 6, bis 2 m Wellenhöhe

Kategorie D – küstennahe Gewässer, kleine
Buchten


Für Baunormen sowie Art und Umfang der Ausrüstung geben die
“Sicherheitsrichtlinien” der Kreuzerabteilung. Einen Forderungskatalog an die
Navigationsausrüstung enthält darüber hinaus die Broschüre “Sicherheit im See-
und Küstenbereich.


Sicherheitsrichtlinien der Kreuzerabteilung


Sicherheit im See- und Küstenbereich

Die Kenntnis beider Broschüren wird hier vorausgesetzt.

Auch die grundsätzliche Hochseetauglichkeit
sollte außer Frage stehen. Für Rennzwecke geschnittene Yachten sind im
schwerem Wetter zwangsläufig empfindlicher als biedere Fahrtenyachten.
Für die extremen Segelleistungen, wie sie von Regattayachten gefordert
werden, wurden bei der Konstruktion Abstriche auf Seiten der
Gutmütigkeit im Seeverhalten gemacht. Eine Rennyacht verträgt keine
Fehlbedienung. Ihre Technik ist schnell überlastet und setzt für die
sichere Bedienung Erfahrung und eine eingespielte Crew voraus.

Indikatoren für die Seetüchtigkeit einer
Yacht:

Gesamtheit des Bootes

– ausreichende Größe?

– Stabilitätsumfang?

– ausreichende Festigkeit des
Riggs?

– Festigkeit der Aufbauten gegen
Seeschlag

– Sicherheit aller Luken, Fenster
und Lüfter?

– selbstlenzendes Cockpit?

– Seereling?

Innenausstattung

– sichere Stand- und Trittfestigkeit überall?

– genügend Handläufe und Griffe?

– genügend Kojen und Leesegeln oder
Kojenbrettern?

– bei Lage und Seegang benutzbare Pantry?

– genügend und geeigneter Stauraum für Vorräte?

– genügend Tankkapazität für Wasser und
Kraftstoff?

– kräftige Auslegung aller Einbauten, keine
scharfen Kanten?

– Nassstauraum für Ölzeug und Rettungswesten?

– ausreichend bemessene Navigationsecke?

Ausrüstung

– Ausrüstung gemäß den “Sicherheitsrichtlinien”
der Kreuzerabteilung?

– Zuverlässigkeit und Dauerbelastbarkeit des
Motors?

– Ersatzteile für Routineausfälle?

– Halbzeuge aus Holz, Gummi und Niro für
improvisierte Reparaturen?

– Vorrat an Brennstoff für Pantry und Heizung?

– Batteriekapazität?

– Vorrat an Schmier- und Pflegestoffen?

– Zuverlässigkeit und ausreichende Größe des
Ankergeschirrs?

– Beiboot?

Besatzung

Ein Einwachensystem ist nur auf Fahrten angebracht, die allabendliche einen
Hafen anlaufen. Es müssen genügend geeignete Helfer an Bord sein, mit denen der
Schiffsführer in der Lage ist, die Yacht den Reiseanforderungen entsprechend
sicher zu manövrieren, insbesondere angepasst an Wetter, Fahrgebiet und
Handhabbarkeit der Yacht. Für den Skipper sollte immer eine geeignete
Ersatzperson an Bord sein.

Werden längere Strecken auf See verbracht, müssen mindestens zwei Wachen
eingeteilt werden. Das bedeutet eine Verdoppelung der Einwachen-Besatzung.
Aufwändige Manöver werden unter Einsatz beider Wachen gesteuert, während
Seewachen lediglich zur sicheren Führung der Yacht erforderliche Crewzahl
vorhält. Der Rest der Crew wird in Freiwache eingeteilt. Die Wachführer müssen
ihre Aufgaben eigenverantwortlich wahrnehmen können um den Schiffsführer wirksam
zu entlasten.

Die körperliche Verfassung der Crew, bezogen auf Gesundheit Alter und Fitness
muss berücksichtigt werden. Eine angemessene Bordkleidung und Schutzbekleidung
(Ölzeug) muss vorhanden sein. Rettungswesten sind anzuprobieren und ggf.
einzustellen.

Proviant

Für den Einkauf von Proviant ist ein detaillierter Plan zu machen. Neben
individuellen Wünschen sollte folgendes Vorrang haben:

Von der Menge her sollte mehr als das veranschlagt werden, was man für die
Dauer des Törns benötigen würde. Sollte der Törn aufgrund widriger Umstände
länger dauern, sollte auch für diese Zeit Reserven da sein. Entsprechend sollten
die Lebensmittel haltbar sein. Zu berücksichtigen ist der Umstand, dass aufgrund
Energieknappheit der Kühlschrank nicht durchgehend arbeiten kann. Während
Schlechtwetterperioden ist nicht immer das Kochen in der Pantry möglich. Hierfür
ist entsprechender Vorrat anzulegen.

Trinkwasser sollte wegen der Haltbarkeit möglichst in Flaschen und in
ausreichender Anzahl mitgeführt werden. Um möglichen Mangelerscheinungen
vorzubeugen, empfiehlt es sich, Vitamintabletten mitzuführen.

Verschleiß

Vor jedem Törn ist ein Sicherheitscheck durchzuführen. Auch wenn vorher noch
alles in Ordnung war. Auch ein Blick unter Abdeckplatten und in die Bilge ist zu
unternehmen.

Eine regelmäßige Wartung beugt vielen Verschleißerscheinungen vor.

Reiseplanung

Die Seetüchtigkeit muss den Anforderungen der geplanten Reise entsprechen.
Sportlicher Ehrgeiz ist der natürliche Antrieb, ein besonnener Schiffsführer,
der das Vermögen von Schiff und Besatzung  nicht überschätzt ist der
Gewinner.

In der Reiseplanung sind folgende Punkte zu bedenken:

– Beschränkungen auf geschützte Reviere

– Vermeidung von Schwerwetterperioden

– Wahl der Route mit genügend Ausweichmöglichkeiten

– Rückgriff auf besonders erfahrene Besatzungsmitglieder

– Wahl einer besonders gut handhabbaren Yacht

– Vermeidung enger Zeitpläne

– Zusammenbleiben mit anderen Yachten

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